STEVEN DER BERSEKER AM BERG BZW. EINE 2. LUFT KANN IMMER KOMMEN
So langsam sind die letzten5 Tage mehr als spürbar. Gerade am frühen Morgen, wenn zeitig der Wecker klingelt. Es ist wie im Film, alles spielt sich automatisiert bis zum Frühstück ab. Wir werden wahrscheinlich was vermissen, wenn wir in der kommenden Woche wieder zu Hause sind 😂.
Für den heutigen Tag stehen 40,5 km bis nach Scoul auf dem Plan mit 2275 Höhenmetern Im Aufstieg und 2886 Höhenmetern im Abstieg. Vom Profil her eine Etappe, die uns definitiv entgegen kommt. Und aus Erfahrung wissen wir, das an diesem Tag der Trans Alpine Run erst so richtig losgeht. 😉 Bis hierhin heißt es sich die Kräfte gut einzuteilen und erst hier zeigt sich, wer das auch wirklich getan hat. So einige Teams sind mittlerweile ausgestiegen und bei so einigen Teams laufen einige Partner nicht mehr „ganz rund“.
Unsere Muskulatur fühlt sich weiterhin sehr gut an und wir unternehmen auch alles, damit dies weiter so bleibt. Von unserer Unterkunft sind es nur knapp 10 min bis zum Start und so sind wir auch rechtzeitig im Startblock eingecheckt.
Unsere Taktik für heute ist es, den ersten Asphaltkilometer ruhig angehen zu lassen und dann den Anstieg zur Verpflegung 1 schnell zu steigen. Alles immer schön kontrolliert dann weiter bis zum höchsten Punkt des heutigen Tages auf 2752 m, dann gut bis zum zweiten höchsten Punkt auf 2731 km, um dann die letzten 12 km im Downhill gut runter zu kommen.
Der Startschuss fällt pünktlich 8 Uhr und wir setzen unsere Taktik gut um und lassen uns von den anderen Teams in unserer Altersklasse nicht verrückt machen. Trotzdem das es recht kühl ist, fließt sehr schnell der Schweiß in Strömen und Steven steigt wie ein Schweizer Uhrwerk voran. Ich folge ihm, aber meine Pumpe hat ordentlich zu tun. Es gilt sich nicht verrückt machen zu lassen und den Rhythmus zu finden.
Im Anstieg zur ersten Verpflegung überholen wir die beiden führenden Damen. Da überlegt man schon mal, ob man wirklich das richtige Tempo angeschlagen hat. Bzw. zeigt es ja auch, das selbst solche Top Läufer auch nicht leicht fällt 8 Tage am Stück durch die Alpen zu laufen.
Nach knapp 6 km sind wir an der ersten Verpflegung. Hier oben ist es ordentlich nebelig. Kurz ein Gel nehmen, etwas trinken und weiter. Wenn ich es recht beobachtet habe, sollte alle hinter uns liegenden Teams der Altersklasse auch von uns bereits überholt sein. Steven wieder vorne weg, ich hinterher und Attila läuft kurz vor uns.
Und es geht schon wieder hoch. Steven läuft zur Höchstform auf und arbeitet sich wie ein Berseker den Berg hoch 😉. Von hier aus erwartet uns erst ein kleiner Downhill über knapp 2 km, ein kurzer Aufstieg auf den Fimbernpass und dann 6 km schönster Downhill zur 2. Verpflegung.
Im Downhill laufe ich voran und hier holen wir auf einige vor uns liegende Teams am heutigen Tag gut auf. Und ruckizucki sind wir an der zweiten Verpflegung. Wir sind verdammt weit vorn dabei. Und es passiert, was ich so nie erwartet hätte. Wir überholen Herrn Dr. Miksch, eine wahre Trans Alp Legende. Wir unterhalten uns kurz, laufen einige Zeit zusammen, aber im weiteren Aufstieg spielt er seine Stärken mit seinen Partner aus und wir sehen ihn bis zum Ziel nicht mehr.
Von der 2. Verpflegung aus, geht es nun ein einen gefühlt endlosen Anstieg hoch zur Fuorcia Champatsch. Diesen Pass sieht man schon von weitem, was es für die Motivation nicht einfacher macht. Diesmal mache ich vornweg und Steven hinterher. Gefühlt bekomme ich eine zweite Luft am Berg. Und der Pass rückt näher und näher. Die letzten Meter sind noch einmal die Härte. Zähne zusammen beißen und durch. Ab hier geht’s dann im Downhill erst zur 3. Verpflegung auf der Motta Naluns, wo heute die Pasta Party stattfindet und von da weiter ins Tal.
Nur kurz die Trinkblasen aufgefüllt und ab auf die letzten 8 km. Das Ziel ist im Tal bereits zu sehen. Steven hört einen motivierenden Musikmix und fliegt vorweg. Erst über Wiesen, dann durch den Wald und dann sind es nur noch 5 km. Weiter durch den verwurzelten Wald und das Ziel rückt immer näher. Und dann passiert es. Irgendwie fädle ich ein und finde mich auf den Boden wieder. Schon im Sturz denke ich „S……….“. Zum Glück habe ich das Fallen gelernt und bis auf einen kleinen Kratzer ist nix passiert. Also nochmal volle Konzentration und dann ist es fast soweit. Nur noch über die Brücke und über den Inn und wir sind da. Als Tages-19. sind wir heute da und in der Altersklasse wieder 3. Das. Märchen geht weiter.
Kurz danach laufen die beiden führenden Damen, sowie Mathias und Sven ein. Und es setzt der angekündigte Regen ein. Ich steige noch den Berg hinunter zum Inn, zum täglichen kühlen Bad für die Beine.
Und unsere „Reisegruppe“ ist noch weiter erfolgreich. Mandy und Jule belegen am heutigen Tag Platz 2 in ihrer Altersklasse, nachdem sie bereits gestern Platz 3 belegt haben.
Für uns geht es wieder zur Massage bei Outdoor Physio, die unsere Körper wieder super regeneriert bekommen. Der Wahnsinn ist immer, das sie Punkte an unsren Körper finden, die ich so bisher nicht kannte 😜😂. Aber das Ergebnis ihrer Arbeit gibt täglich Recht.
Morgen geht‘s dann nach Italien nach Prad am Stilfserjoch über 44,9 km. Und bis zum Ziel in Sulden am Samstag sind es insgesamt nur noch 75,9 km 👌🤗